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Unternehmenskultur8 min

Unternehmenskultur entwickeln: Mehr als ein Leitbild an der Wand

Kultur entsteht nicht durch Poster im Flur. Sondern durch Entscheidungen, Verhalten und Konsequenz. So machen Sie Kultur greifbar.

Von Marcus Schweighart und Laura Bergmann

Teil des Clusters Unternehmenskultur. Kultur, die im Handeln spürbar ist. Nicht an der Wand hängt.

Peter Drucker sagte: Kultur isst Strategie zum Frühstück. Die meisten Unternehmen haben das verstanden. Und trotzdem hängt das Leitbild im Flur, und im Alltag passiert etwas völlig anderes.

Was Kultur wirklich ist

Kultur sind die unsichtbaren Spielregeln, nach denen eine Organisation denkt und handelt. Nicht das, was auf der Webseite steht. Sondern das, was passiert, wenn der Chef nicht im Raum ist.

Wann Leitbilder wirken. Und wann sie Deko sind.

Verordnete Leitbilder funktionieren selten. Gemeinsam entwickelte schon. Der Unterschied liegt im Prozess. Wer ein Leitbild nur abstimmt, schafft Konsens. Wer eines miterarbeitet, schafft Bindung.

Den IKEA-Effekt kennen die meisten aus dem Möbelregal. Was wir selbst zusammenschrauben, schätzen wir mehr. In Organisationen funktioniert das genauso. Was Mitarbeitende und Führung gemeinsam formuliert haben, tragen sie auch.

Zwischen Menschen und Mustern · Folge : Teambuilding

Marcus Schweighart über die Versuchung, Strukturprobleme als Persönlichkeitsprobleme zu deuten.

In Organisationen wird gerne psychologisiert. Strukturelle Probleme werden den Menschen zugeschrieben."
Marcus Schweighart und Laura Bergmann
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Kultur hat eine Ordnung

Wer Kultur greifen will, braucht eine Sortierung. Die aktuelle Forschung zeigt, dass sich Teamkultur in fünf Schichten beschreiben lässt, die von innen nach außen wirken.

Verbundenheit ist der Kern. Wohlbefinden, Vitalität, Vertrauen. Dann kommt die Kommunikation: offen, konstruktiv, mit Feedback und psychologischer Sicherheit. Dann die Klarheit: Rollen, Ziele, Verantwortlichkeiten. Dann die Zusammenarbeit: Umgang mit Fehlern, gegenseitige Unterstützung. Und am Rand der Beitrag: Sinn, Purpose, Werte.

Die Reihenfolge ist wichtiger, als sie klingt. Wer Klarheit fordert, ohne Verbundenheit zu bearbeiten, bekommt Prozessdokumente ohne Wirkung. Wer Purpose formuliert, ohne die inneren Schichten zu tragen, produziert Zynismus.

Zwischen Menschen und Mustern · Folge : Teamkultur und Verbundenheit

Marcus Schweighart über den Aufbau des 5C-Modells als Ringe.

Ich fange bei mir selber an und bei meinem innersten Ich. Also Verbundenheit, Vertrauen ist letztlich was hochindividuelles Persönliches."
Marcus Schweighart
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Kultur hat einen Energiezustand

Auf der Ebene der Organisation gibt es einen kollektiven Zustand, den Kulturprozesse berücksichtigen müssen. Vier Zustände werden beschrieben: produktive Energie, angenehme regenerative Energie, resignative Trägheit und korrosive Energie. Wer Kultur entwickelt, ohne den aktuellen Energiezustand zu kennen, wählt oft die falschen Interventionen.

Ein Beispiel. In einer Organisation mit korrosiver Energie helfen keine Leitbild-Workshops. Dort braucht es zuerst Konfliktarbeit. In einer Organisation mit resignativer Trägheit helfen keine ambitionierten Zukunftsbilder. Dort braucht es Wiederbelebung durch überschaubare Erfolge. Kultur wirkt immer im Zustand, in dem sie gerade angetroffen wird.

Amy Edmondsons Forschung zur psychologischen Sicherheit unterscheidet zwei Kategorien von Fehlern, die Kultur radikal unterschiedlich behandeln muss.

Praiseworthy Fehler: Ein Team wagt ein Experiment, testet eine Hypothese, probiert einen neuen Weg. Wenn das schiefgeht, ist das Innovation, kein Versagen. Solche Fehler gehören anerkannt.

Blameworthy Fehler: Ein Team lässt eine Routineaufgabe schleifen. Vermeidbar, oft leichtsinnig. Solche Fehler gehören klar benannt.

Wer beide Kategorien gleich behandelt, produziert entweder Angstkultur (wenn alles bestraft wird) oder Beliebigkeit (wenn nichts benannt wird). Beides schwächt Kultur. Die Unterscheidung ist selten, aber sie ist trainierbar.

Wir beginnen mit Diagnose. Interviews mit allen Ebenen, Werte-Mapping, Kulturanalyse. Im Anschluss arbeiten wir mit Großgruppen-Formaten, in denen Mitarbeitende, Führung und Vorstand gemeinsam an einem Tisch sitzen. Das Ergebnis ist nicht eine Hochglanzbroschüre. Es ist ein Set von Sätzen, die im Unternehmen wirklich gesagt werden können.

Im Anschluss verankern wir die neuen Prinzipien in Entscheidungsroutinen, in Auswahlprozessen, in Beurteilungslogik. Kultur wirkt erst, wenn sie strukturell unterlegt ist.

Der Weg zu einer Kultur, die gelebt wird

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